Die Folter endet nie

Folter

Ein starkes Argument gegen die Folter ist der Umstand, dass der Quäler den Gequälten in ein »Leben im Augenblick« zwingt. In der zeitlosen Unmittelbarkeit des zugefügten Schmerzes wird die »Emanzipation« des Gefolterten von all seinen (lebens-) geschichtlichen Perspektiven angestrebt.

Das Opfer soll sich zunächst so aufs Hier und Heute konzentrieren, als gäbe es kein Morgen, um sich dann zur ultimativen Selbstaufgabe aufs Hier und Jetzt festzulegen. Seine »Rücksichten« auf Anstand und Erziehung, Loyalität und Bindung, seine Selbstachtung, die »Erinnerungen« an den eigenen, vermeintlich integren Charakter werden ebenso »momentarisiert«, wie die »Vorausschau« auf ein verpflichtetes Leben nach dem Ende der Tortur.

Scham und Schande nach der Folter haben wohl auch mit dem Gefühl zu tun, aus der eigenen Lebenszeit heraus genommen, aus seiner Geschichte extrahiert worden zu sein.

Vgl. auch: Leben im Augenblick

© 2020 Christoph D. Hoffmann
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