Der Melancholiker

Stolz trägt er seinen Trauerflor
Und weiß sich wohl erhaben,
Hat sich doch tief gegraben,
Hinab zum Sinn der ihn erkor.

Als Seher mag er sich versteh’n,
Ein Erkennen hält er sich zugute,
Nicht Stimmung, die ihm ist zumute:
Im Schmerz erst wird die Welt geseh’n.

Was allen Ander’n bleibt verborgen,
Erscheint nicht im spektralen Licht,
Von Infrarot beschienen, zeigt sich erst das Sein.

Kein Dunkel gibt es also zu besorgen,
Unverblendet schaut das Nachtgesicht,
So fühlt der Melancholiker, er bildet sich was ein!

Zum »melancholischen Hochmut« vgl. den Beitrag »Kreuzimmunität« und die Sprachblase »Von Nichts kommt nichts«.

© 2021 Christoph D. Hoffmann

Kommentare sind geschlossen.