Flaschenpost

Treibe wohl und über tiefem Wasser,
Halt dich von allen Ufern fern.
Scheu das Licht der Riffpiraten,
Ignorier’ des Leuchtturms Blenderei.

Auf hoher See such dir ein entleg’nes Plätzchen,
Zwischen geschäumten Kämmen ein stilles Tal,
Beruhigend weit von starren Festlandssockeln,
Ausreichend distanziert vom Mainstreamschelf.

Gerätst du jedoch in Flachgewässer,
Droht Strandung dir, Entkorkung gar,
Dann sei gefasst, dich allgemeinverständlich zu erläutern,
Langweiler zu widerlegen, mitsamt Pointe dich zu zerlegen.

Willst souverän und allgemein und apodiktisch gelten,
Verkneif’ dir Argument, Begründung, Besserwisserei.
Das letzte Wort bleibt allein dem Meider vorbehalten
Von diskursiver Kollision mit kommunikativen Klippen.

Mindestens widersprüchlich bis autistisch,
Zu notieren und so sorgsam zu bewahr’n,
Was derart feige scheut den Adressaten
Und sich um dessen Antwort drückt.

Doch schätzen wir den unschätzbaren Wert von
Kinderschätzen, die vergraben und vergessen
Der Schätzung fremder Finder sich entzieh’n,
Ungefunden und deshalb niemals verlor’n!

Für dergleichen scheudiskrete Retrodeponate
Bietet Muttis »Neuland« unverhoffte Chancen.
Medial zerstreut vom Proxy der Offensichtlichkeit,
Im Rauschen der Profile, unsre ew’ge Liegenschaft.

Den Tip für’s cleverste Inkognito, die beste Tarnung,
Kennt jeder Baum, der sich im Wald versteckt,
Drum poste dich getrost im Internetz; doch Achtung,
Nicht vergessen, die »Kommentare« zu deaktivier’n.

© 2020 Christoph D. Hoffmann

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