Herbstgedicht

Herbstgedicht, ach Herbstgedicht,
Legst all dein Pathos und Gewicht
In Trauer ums vergang’ne Jahr,
Sehnsucht nach dem Frühling gar.

Doch konnten die vitalen, warmen, hellen Zeiten
Nicht jedermann zu heit’rem Sinn verleiten;
Dem, der nicht streberhaft zur Lebensfülle neigte,
Ein grelles Jahr die kalte Schulter zeigte.

Warum nur, Herbstgedicht, bist Du derart bieder und parteilich,
Machst Dich gemein mit den Gemeinen, ist doch einfach peinlich;
Mit deren larmoyanten Klagen, verlier’ mal bloß nicht die Façon,
Zum langersehnten Schluss der Hauptsaison.

Zu guter Letzt hat’s nun ein Ende mit dem Lenz,
Club-Med-Animateuren droht Frohsinnsabstinenz;
Bald lockt der erste Reif und Nebel bis zum Nachmittag,
Die Welt spricht zu Bewohnern vom morbiden Schlag.

Es räkeln sich von trägem Sommerschlafe, Verweigerer der Frühlingsfrische,
Unsereins sich in gemäßem Sinne raschelnd unters Herbstlaub mische;
Komm’ uns entgegen, lass’ den Mainstream zieh’n, du bist gehalten,
Dich vom Jammern zu emanzipier’n – sing’ das Lied der Herbstgestalten!

© 2020 Christoph D. Hoffmann

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