Die nackte Wahrheit

Jean-Léon Gérôme: Die Wahrheit steigt aus dem Brunnen

»Die Wahrheit« erweist sich nicht unter Zwang, auch nicht unter dem zwanglosen des besseren Arguments. Sie steigt nach ihrem, mitunter kapriziösen, Belieben aus dem Dunkel ihres tiefen Brunnens und bringt sich ebenso unvermittelt wie unverhüllt zu Gesicht.

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Artige Manieren

Das gute Argument macht vor der Schwelle halt und wartet, bis es hereingebeten wird. Es kommt auf Freiersfüßen daher und steht nie mit leeren Händen da. Wird es abgewiesen, lässt es einen Gesichtspunkt zurück.◄

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Lebensweltliches Argumentieren

Lebensweltliches Argumentieren – ein kurioses Mitgefühl meldet sich zu Wort. »Lediglich lebensweltlich«, das müsse eben manchmal reichen. Besonders im »hier und jetzt« des »diesseitigen Lebens« auf der »sichtbaren Seite der Welt«, könne man oft nicht mehr verlangen. – Soviel Metaphysik für das bisschen Skepsis?◄

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Vortex

»Im Kopf umhergehende Sachen« sind Schuld an meinem primären Nachdenk-Symptom, dem Schwindel und einem, damit einhergehenden, äußerst hibbeligen Verwirbelungsgefühl. Dass banalerweise alles irgendwie mit allem zusammenhängt, ist ja nix Neues. Scheint jedoch das Eine das Andere zu stützen wird man doch sofort misstrauisch!

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Tiefgründig

Tiefe Gründe sind schlechte Gründe, tiefere Gründe um so schlechtere, als sie – je tiefer, desto schlechter – von der tragenden Oberfläche der Selbstverständlichkeit so weit als möglich entfernt, Fuß zu fassen versuchen.

All den hilflos haltsuchenden Fundamentalisten ein Graus, wird argumentativ nicht den Schlechtesten die Wasserwaage eher gerecht als rechtes Lot.◄

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Hypochondrischer Komplex

Sich mit fremden Federn eines missverstandenen naturwissenschaftlichen Methodenideals zu schmücken, oder eine vermeintliche Blöße zwanghaft mit dem Feigenblatt pseudowissenschaftlicher Pippifaxereien (Neurolinguistische Programmierung, Sender-Empfänger-Modelle, Bedürfnispyramiden) zu bedecken, entspringt dem hypochondrischen Komplex, sich und seinesgleichen kein stimmiges Argument zuzutrauen.

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Kontrollwahn

Im Spannenden (der Kontingenz) über symphonische Kommunikation hinaus, ein Mehr an Zwangsläufigkeit, Kontrolle und Sicherheit haben zu wollen, muss nicht immer gleich faschistisch und unbescheiden rüberkommen. In der der Regel ist es einfach nur ein bisschen weltfremd und verklemmt.

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Zwanglosigkeit

Die argumentative Zwanglosigkeit des »alles kann, nichts muss« mit Beliebigkeit zu verwechseln, gleicht dem Kopfschütteln ballernder Schrotschützen beim Anblick des Zielenden. – Der legt es darauf an, und drückt ein Auge dabei zu.◄

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