Tertullians Equilibristik

Equilibristik

Eine proaktive Heilsgewissheit, die vermeint, man habe sein naives Seelenschäfchen bereits im Trockenen, setzt leichtfertig gerade das aufs Spiel, was man bereits sicher und unverlierbar zu besitzen glaubte. Tertullian weiß den Ausweg aus einer beunruhigenden Double-Bind Zwickmühle.

Lesen

Fronleichnam

Adolf von Menzel: Fronleichnamsprozession in Hofgastein (1880) – Neue Pinakothek, München.

Ich glaube, spannend ist der prickelnde Augenblick, in dem das Allerheiligste über die Kirchenschwelle hinaus in die ungedeutete Welt getragen wird. Vielleicht wäre es angemessen, für diesen Moment die Augen in frommer Skepsis fest zusammenzukneifen und »wenn das bloß mal gut geht« zu denken …

Lesen

Labyrinthische Lebenserfahrung

Fingerlabyrinth in Lucca

Im Portico der Kathedrale von Lucca befindet sich ein verzwicktes Fingerlabyrinth. Hochgestemmte Kinder versuchen es zu lösen, bevor ihren Eltern die Arme erlahmen. Eine Inschrift erläutert: »Dies ist das Labyrinth, das Daidalos der Kreter gebaut hat und aus dem niemand herauskommen kann, der einmal darinnen ist. Nur dem Theseus ist dies dank des Fadens der Ariadne gelungen.«

Lesen

Kaum zu glauben

Abgeschleppt

Tüddelige Tanten interessieren sich total. Eine war in tiefem Zweifel befangen. Alles könne sie glauben, nur nicht die »Auferstehung des Fleisches«. Ich würde doch über »sowas« nachdenken. Was ich denn »meine«. Ich war noch dabei, mir die Lippen zu befeuchten, da hatte sie ein Thema von weitaus größerem Gewicht aufgegriffen: in ihrem Viertel sei alles, wirklich alles zugeparkt, ist das zu glauben? Mit einer Aufmerksamkeitsspanne im Millisekundenbereich setzt die alte Dame in langfristiger Voraussicht vermutlich auf Park & Ride to Paradise?!◄

Lesen

Diskrete Epiklese

Während der Epiklese (Herabrufung des Heiligen Geistes im Hochgebet) hält der Zelebrant die Hände weit von sich gestreckt über Brot und Wein. Dies ist keine gespreizte Geste feierlicher Manieriertheit. Wenn sich der Geist auf die eucharistischen Gaben herabsenkt, mag er nicht im Wege stehen und wahrt diskreten Abstand zum eigentlichen Geschehen. Er will sich keine individuelle oder gar persönliche Mitwirkung nachsagen lassen. Seine Sorge gilt dem Schutz vor nominalistischer Kontamination des Realen.◄

Lesen

Sei gerettet, Abendland!

Grablege Karl Martells in St. Denis

Nicht ohne Grund hatte es IHM gefallen, den Leib eines levantinischen Flüchtlingskindes anzunehmen. – »Advent, Advent, die Krippe brennt«, gröhlt eine degenerierte Plebs, die sich in der atheistischen Pegida-Zone zusammengerottet hat. Stammelnde Analalphabeten, die den Genitiv zwischen ihren Beinen vermuten, besorgen das Abendland.

Lesen

Unmittelbarbarei

Die 5 Solae

Sola fide: Fixe Idee vom direkten Draht, versessene Recherche des Stalkers nach SEINER Privatnummer, die ängstliche Besorgung geiziger Besserwisser und kreativer Raderfinder gegenüber Public Domain und Open Source. Autarke Selbstversorger, die ehrpusselig ihr dürftiges Taschengeld abzählen, anstatt auf eine Wohlfahrt zu vertrauen, die sich nicht in Werk und Lohn erschöpft.

Lesen

Glaube und Wissen

Glauben ist nicht Wissen! – Als ob das nicht einfach schade wäre: Auf äußere Hilfe (Offenbarung – sola gratia) angewiesen, von schmaler Kost (dürftig-heikle Textschnipsel – sola scriptura) verpflegt, sollen wir uns glücklich preisen, mit dem Allernötigsten versorgt, gerade mal so über die Runden zu kommen? – Wie unglaublich geschmacklos!

Lesen