Highbrow

Hochnäsiger Hund

Es gibt einen Hochmut, der so weit oben angesiedelt ist, dass die Herablassung, die er entlässt, auf ihrem langen Weg nach unten an Verletzungskraft verliert und den amüsierten Adressaten schließlich so milde trifft, dass eher dessen Humor und Selbstironie angesprochen werden, als dass sein Ehr- und Selbstgefühl konfrontiert würden.

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Jäger des Augenblicks

Claude Monet - Impression soleil levant

Die vermeintliche Weltfreundlichkeit der Impressionisten möchte womöglich deren dekorative Gefälligkeit, ihr postkartentaugliches Easy-Viewing entschuldigen. Tatsächlich jedoch weht ein frostiger Wind durch sommerliche Kornblumenfelder und in blubbernden Seerosenteichen gärt der Nihilismus.

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Sprachblasen

Seifenblasen

Von Gedankenschwere entlastet, lösen sie sich vom Grund, steigen auf und zerplatzen an der Oberfläche: Sprachblasen.

Anders als bei Sprüchen, darf hier nicht geklopft werden. Das leiseste Schnipsen an den Rand ihrer Welt, und schon hat man den Überblick verloren. Bloß keinen eigenen Beitrag leisten, und du wirst mit prickelnden Einzelheiten belohnt.◄

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Heimkehr zum Ursprung

Nikolai Ge: Lew Tolstoi – Tretjakow-Galerie, Moskau

Alle schlechten Autoren sind einander ähnlich. Alle großen Schriftsteller sind grandios auf ihre eigene Weise.

Der lange tiefe Atem großer Erzähler bläht unsere schlaffen Segel und bläst uns aus kurzatmigen Handlungen weit ins Ozeanische hinaus. Die Heimkehr zum Ursprung ist das Abenteuer und alles Getriebe und Getreibe verherrlicht den Bestand.

»Aber warum nach Petersburg?« fragte Natascha plötzlich und antwortete selber hastig darauf: »Nein, nein, es musste so sein! Nicht wahr, Marie?«◄

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Im Wirken begriffen

Mark Rothko - Untitled (Gray, Gray on Red) – (1968)

Der rigorosen Verlegenheits-Nomenklatur zeitgenössischer Kunst folgend, heißt es: wer zuerst kommt, malt zuerst unter coolem Namen. »Metaphysische Malerei« war belegt, blieb für Rothko also nur Abstrakter Expressionismus oder Farbfeldmalerei. – Betreibt Tolstoi dann Buchsta­benkombinatorik, Mozart Frequenzmodulation und Hölderlin einen Zufallsgenerator?

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Zeitensucher

Müde Augen, schwere Lider, welch ein Blick. Marcel Proust um 1900.

Das schiere Volumen scheint den Leser zu drängen, ein forçiertes Lesetempo vorzulegen. – Ars longa, vita brevis. – Doch vor bulimischer Lektüre sei gewarnt: »All you can eat« bleibt selten »all you can keep«! – Slow Food ist freilich keine Lösung. – Den kleinbürgerlichen Genusserziehern scheint entgangen, dass sich Lust nicht konditionieren lässt. Beruhigt sie sich doch keineswegs in »bewusstem Konsum«, sondern allenfalls in der Ewigkeit.

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