Derridas Mémorial

Arturo Espinosa: Jacques Derrida

»Je pense, donc je sois« – Der cartesianische indicativus absolutus des »Cogito«, Fels der Gewissheit im Zweifelsmeer, erscheint im letzten Abendlicht sozusagen in einer gewissen »Abschattung der Gewissheit«, ohne durch einen »coniunctivus fallibilitatis« korrodiert zu werden. – Derridas geheimnisvolles Abschiedswort schöpft Hoffnung aus der eigenen Fragwürdigkeit.

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Denkmuster

Denkmuster: Om ginge mir zu langsam, lineares Denken viel zu schnell. Vernetztes Denken wäre mir zu unübersichtlich, assoziatives viel zu hektisch. Kommunikatives Denken würde meine autistischen Grundrechte verletzen und interaktives Denken meine Geduld überfordern. Ein mäanderndes Denken käme mir entgegen: Weit ausgreifend das Flachland beschreiben, Gefälle und Tiefgang vermeiden, sich verantwortungslos und widerwillig dem Gelände fügen. Statt schäumender Katarakte, in stillem Zorn stehende Altwässer bilden. Den Grand Canyon verachten und die Nähe zum Grundwasser betonen.◄

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Morbus hermeneuticus

Zitate, Fußnoten, Apparate – der morbus hermeneuticus wird beklagt. Die Abwesenheit authentischen Gedankenthums mag bedauerlich sein, doch witzige Schnorrer und clevere Kuponschneider können durchaus ihren ganz eigenen Charme entwickeln. Schlimm ist die Feigheit, die sich bibliographisch offenbart: »Der da war’s!«

Bei einer eigenen Idee an Gehirntumor denken, das wäre ein korrespondierendes Übel.◄

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Brockhaus oder Diderot

Enzyklopädie

Enzyklopädie Konversationslexikon oder Enzyklopädie? – Hier mussten sich die Geister scheiden. Sollte der Humanismus zentrifugal expandieren und fluffig wie ein Windbeutel aufgehen, oder sollte er zentripetal gravitieren und gefriergetrocknete Outdoornahrung produzieren? Weltläufig kolonialisierend wie Brockhaus und Meyer, oder systematisch verdichtend wie Diderot und D’Alembert? Wikipedia scheint sich entschieden zu haben.

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Selbstwiderspruch

»Ich sag’ mal«, vorzugsweise »einfach nur so«, stellt eigentlich einen performativen Selbstwiderspruch dar: die eigene Anspruchslosigkeit an die große Glocke hängen wollen.◄

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