Fronleichnam

Adolf von Menzel: Fronleichnamsprozession in Hofgastein (1880) – Neue Pinakothek, München.

Ich glaube, spannend ist der prickelnde Augenblick, in dem das Allerheiligste über die Kirchenschwelle hinaus in die ungedeutete Welt getragen wird. Vielleicht wäre es angemessen, für diesen Moment die Augen in frommer Skepsis fest zusammenzukneifen und »wenn das bloß mal gut geht« zu denken …

Lesen

Diskrete Epiklese

Während der Epiklese (Herabrufung des Heiligen Geistes im Hochgebet) hält der Zelebrant die Hände weit von sich gestreckt über Brot und Wein. Dies ist keine gespreizte Geste feierlicher Manieriertheit. Wenn sich der Geist auf die eucharistischen Gaben herabsenkt, mag er nicht im Wege stehen und wahrt diskreten Abstand zum eigentlichen Geschehen. Er will sich keine individuelle oder gar persönliche Mitwirkung nachsagen lassen. Seine Sorge gilt dem Schutz vor nominalistischer Kontamination des Realen.◄

Lesen

Gottbefohlen

Columban und Gallus auf dem Bodensee

Es heißt, der Hl. Columban (vermutlich der Jüngere) sei, seinem Eigensinn trotzend, bei aufziehendem Sturm in einer winzigen Nussschale weit hinaus auf die irische See gerudert. Er wollte wissen, wo Gott ihn haben wolle, warf beide Riemen über Bord und legte betend die Hände in den Schoß.

Lesen

Glaubenslob

Den Glauben preisen; in Armut schwelgen. Beide Frivolitäten sind schlimmer als falsche Bescheidenheit. Mag Letztere als zynisch, dekadent und geschmacklos durchgehen (vor einer Sozialverpflegungstafel über die Wonnen des frugalen Lebensstils fachsimpeln), schreit Erstere zum Himmel. Gegen »Pascals Wette« konkurriert das »Glaubenslob« in der Kategorie Blasphemous Rumours.◄

Lesen

Sand im Getriebe

Es wurden Wunder und Gerüchte gestreut. Sand geriet in die Weltmaschine. Die Inquisitoren der Aufklärung werden aus dem Ruhestand gerufen: Wer zum Teufel war schuld an allem?◄

Lesen