Theodizee

Duldung per Toleranzedikt

Lucas Cranach d. Ä.: Paradies – Kunsthistorisches Museum, Wien

Lucas Cranach d. Ä.: Paradies

Das Faktum des Bösen in der Welt scheint die Wesenszüge Gottes (Allmacht, Güte, Allwissenheit) überkreuz geraten zu lassen. Kann Er oder will Er ihm nicht Einhalt gebieten? – Das Theodizeeproblem.

Die gängige Auflösung über die (Willens-) Freiheit argumentiert von unten nach oben, stützt sich auf die Menschenwürde und verkennt dabei die Machtverhältnisse. Doch es geht auch in der Gegenrichtung:

Willentlich lässt Er Seine Geschöpfe Ihm zuwider sein. Sein schmerzliches Gewährenlassen erleichtert weder das Gewicht Seiner Missbilligung, noch lässt es Zweifel an Seinem allmächtigen Gewaltmonopol zu.

In paternalistischer Herablassung duldet Gott seine Geschöpfe und ihr verpeiltes Treiben. Von hoch oben herab lässt Er sie das steile Machtgefälle spüren, indem Er es beim warnenden Einspruch zur Umkehr bewenden lässt. Sehenden Auges lässt er uns ins Unheil laufen und führt dabei einen herrschaftlichen Hohheitsakt vor, der zur Zerknirschung allen Anlaß gibt:

Er beweist Toleranz.

© 2021 Christoph D. Hoffmann
Bildnachweise
Lukas Cranach d.Ä.: Paradies Zeno

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