Fremde Federn

Fremde Federn - Feder

»Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen.«

»Ubi amor, ibi oculus.« (Thomas v. Aquin)

»Eine neue Rolle des Lebens spielt der Mensch am wärmsten und am besten; über unsern Antrittspredigten schwebt der Heilige Geist brütend mit Taubenflügeln – nur später liegen die Eier kalt.«

»Ich kenne nur eine Sache, die süßer ist, als ein Buch zu machen, nämlich eines zu entwerfen.«

 »Es hat mich oft verdrüßlich gemacht, daß ich jeder Vorrede, die ich schreibe, ein Buch anhängen muß.«

»Das körperliche Herz sei das Muster des geistigen: verletzbar, empfindlich, rege und warm, aber ein derber, frei fortschlagender Muskel hinter dem Knochengitter, und seine zarten Nerven sind schwer zu finden.«

»Der Humor, als das umgekehrt Erhabene, vernichtet nicht das Einzelne, sondern das Endliche durch den Kontrast mit der Idee.« (Jean Paul)

»… le difficile problème littéraire qui consiste à rendre intéressant un personnage vertueux.« (Honoré de Balzac)

»Natürlich wird auch jedes Kunstwerk früher oder später untergehen. Doch unvergänglich dauert jenes, das lautlos durch Wort und Bild hindurchging wie durch die Gräber von Tarquinia. Das rührt uns an. Vergänglich ist, was wir unsterblich nennen, und doch ein Abglanz des Unsterblichen. Wenn wir über den Schnee gehen und die Sonne scheint wie heute, am 1. Februar 1970, dann sehen wir zuweilen einen der Kristalle als Diamanten aufleuchten. In einem von Billionen ahnen wir die Glutreserven, die im ewigen Eis schlummern.«

»Überhaupt ist der Mythos weit mehr dem Zweifel entzogen als die Geschichte – er bringt Ideen, die Geschichte nur Tatsachen.«

»Wie sehr uns das Gedächtnis im Stich lässt – die Erinnerung bleibt uns treu.«

»Zum Mythischen kehrt man nicht zurück, man begegnet ihm wieder, wenn die Zeit in ihrem Gefüge wankt.« (Ernst Jünger)

»Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Geschick aus einem gelben Fleck eine Sonne macht.« (Pablo Picasso)

»Wenn man alles zusammenfaßte, so kam es nicht weit davon hinaus, daß Ulrich an den ›Sündenfall‹ und an die ›Erbsünde‹ glaubte. Das heißt, er hätte geradezu annehmen mögen, daß es irgend einmal eine bis an den Grund reichende Veränderung im Verhalten des Menschen gegeben habe, die ungefähr so gewesen sein müsse, wie wenn ein Verliebter nüchtern wird: er sieht dann wohl die ganze Wahrheit, aber etwas Größeres ist zerrissen worden, und die Wahrheit ist überall bloß wie ein Teil, der übrig geblieben und wieder zusammengeflickt worden ist. Vielleicht war es sogar wirklich der Apfel der ›Erkenntnis‹, der diese Veränderung im Geiste anrichtete und das Menschengeschlecht aus einem ursprünglichen Zustand hinausstieß, in den es erst nach unendlichen Erfahrungen und durch Sünde weise geworden, wieder zurückfinden mochte.« (Robert Musil)

»Doch dünkt mich, man vermeidet heutzutage oft zu vorsätzlich alle Gelegenheiten, über Religion zu reden. Einige Leute schämen sich, Wärme für Gottesverehrung zu zeigen, aus Furcht, für nicht aufgeklärt genug gehalten zu werden, und andre affektieren religiöse Empfindungen, scheuen sich, auch nur im mindesten gegen Schwärmerei zu reden, um sich bei den Andächtlern in Gunst zu setzen. Ersteres ist Menschenfurcht und letzteres Heuchelei, beides aber eines redlichen Mannes gleich unwert.« (Adolph Freiherr Knigge)

»Die Religion ist weder Konklusion aus Vernunftgründen, noch Erfordernis der Ethik, noch Stadium der Sensibilität, noch Instinkt, noch soziales Produkt. – Die Religion hat keine Wurzeln im Menschen.«

»Als Christus starb hinterließ er keine Dokumente, sondern Jünger.«

»Die Bibel ist nicht die Stimme Gottes, sondern die des Menschen, der ihn findet.«

»Während der Protestant von einem Text abhängt, sind wir Katholiken der Prozess, in dem der Text geboren wurde.«

»Ich verstehe nicht, wie die Vernunft jemanden vom Katholizismus abbringen kann; wenn mich etwas an seiner Schwelle innehalten ließe, dann sein Rationalismus und sein übermäßiges Vertrauen in die Vernunft.«

»Das Schwierige ist nicht, an Gott zu glauben, sondern zu glauben, dass wir ihm etwas bedeuten.« (Nicolás Gómez Dávila)

»Ich würde nicht einmal dem Evangelium trauen, wenn mich die Autorität der katholischen Kirche nicht dazu bewegen würde.« (Aurelius Augustinus)

»Perhaps, if the future existed, (…) the past would not be so seductive.«

»Wer eine Geschichte ›wahr‹ nennt, beleidigt Kunst und Wahrheit zugleich. Jeder große Schriftsteller ist ein großer Augenwischer, doch das gilt auch für die Erzbetrügerin Natur, denn sie führt uns beständig hinters Licht. Von der einfachen Täuschung, die in der Fortpflanzung besteht, bis hin zum wunderbar irreführenden Mimikry, der Schutzfärbung von Schmetterlingen oder Vögeln, gibt es in der Natur ein großartiges Geflecht aus Zauberkunststückchen und Tricks. So folgt also, wer Dichtung schreibt, lediglich dem Vorbild der Natur.«

»›Realität‹, eines der wenigen Wörter, die ohne Anführungszeichen nichts bedeuten.«

»Ich gestehe, ich glaube nicht an die Zeit. Es macht mir Vergnügen, meinen Zauberteppich nach dem Gebrauch so zusammenzulegen, dass ein Teil des Musters über den anderen zu liegen kommt. Mögen Besucher ruhig stolpern.« (Vladimir Nabokov)

»Dass wir ja nicht Redefeinde werden, wie andere wohl Menschenfeinde! … Denn schön ist der Preis und die Hoffnung groß.« (Platon)

»We cherish our friends not for their ability to amuse us, but for ours to amuse them.«

»You have no idea how much nastier I would be if I was not a Catholic. Without supernatural aid I would hardly be a human being.« (Evelyn Waugh)

»Life imitates art far more than art imitates life.« (Oscar Wilde)

Shortest Short Story: »For Sale: Baby shoes, never worn.« (Ernest Hemingway)

»Der Argwohn vor unserem eigenen Abbild ist die Erfahrung unserer zukünftigen Abwesenheit.« (Wilhelm Genazino)

»Je mehr Identitäten jemand hat, um so mehr zeigt sich in ihnen die Person, die darunter steckt. (…) Wenige Menschen können ihre eigentlichen Neigungen verleugnen, wenn sie sich eine andere Persönlichkeit andichten.«
(John le Carré)

»The ways we miss our lives are life.« (Randall Jarrell)

»Der Tod liegt nicht darin, sich nicht mitteilen zu können, sondern darin, nicht mehr verstanden zu werden.« (Pier Paolo Pasolini)

»Das Leben ist für Prozac ein guter Test.« (Tony Soprano)

»Some people are so far behind in a race, that they actually believe they’re leading.« (Corrado »Junior« Soprano)

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