Lob der Zerstreuung

Gotthold Ephraim Lessing

»Der Zerstreute denkt, und denkt nur das nicht, was er, seinen itzigen sinnlichen Eindrücken zu Folge, denken sollte. Seine Seele ist nicht entschlummert, nicht betäubt, nicht außer Tätigkeit gesetzt; sie ist nur abwesend, sie ist nur anderwärts tätig.«

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Heimkehr zum Ursprung

Nikolai Ge: Lew Tolstoi – Tretjakow-Galerie, Moskau

Alle schlechten Autoren sind einander ähnlich. Alle großen Schriftsteller sind grandios auf ihre eigene Weise. Der lange tiefe Atem großer Erzähler bläht unsere schlaffen Segel und bläst uns aus kurzatmigen Handlungen weit ins Ozeanische hinaus.

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Zeitensucher

Müde Augen, schwere Lider, welch ein Blick. Marcel Proust um 1900.

Das schiere Volumen scheint den Leser zu drängen, ein forçiertes Lesetempo vorzulegen. – Ars longa, vita brevis. – Doch vor bulimischer Lektüre sei gewarnt: »All you can eat« bleibt selten »all you can keep«!

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Vorbehalt

Anführungszeichen

Unsere verharmlosenden „Gänsefüßchen“ heißen im Italienischen »virgolette« (Jungfräulein). Zwischen ihnen werden keine entlastenden Zitate, weder rechthaberische Belege, noch aufplusternde Referenzen »angeführt«.

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Mut zur Lücke

Beitragsbild Seifenblase

Aphorismen stehen zu Recht unter Verdacht. Sie fordern zu nickender Mitwisserschaft heraus. Alle fühlen sich (ein-)gesammelt und hinter enthymematischer Geste gerät jede Ungenauigkeit zu hintergründigem Raunen. Ein Geheimbund entsteht. Die Ellipse wird zum Erkennungszeichen. Esoterisch wird der »Mut zur Lücke« gelobt.◄

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