Theodizee

Lucas Cranach d. Ä.: Paradies – Kunsthistorisches Museum, Wien

Das Faktum des Bösen in der Welt scheint die Wesenszüge Gottes (Allmacht, Güte, Allwissenheit) überkreuz geraten zu lassen. Kann Er oder will Er ihm nicht Einhalt gebieten? – Das Theodizeeproblem.

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Tertullians Equilibristik

Equilibristik

Eine proaktive Heilsgewissheit, die vermeint, man habe sein naives Seelenschäfchen bereits im Trockenen, setzt leichtfertig gerade das aufs Spiel, was man bereits sicher und unverlierbar zu besitzen glaubte. Tertullian weiß den Ausweg aus einer beunruhigenden Double-Bind Zwickmühle.

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Inferno der Seelenverwandschaft

Gustave Doré: Eingang zum Inferno

Sich mit »denen da« in einen Topf geworfen zu sehen, geht über Gesichtsverlust und Deklassierung weit hinaus. Es ist die Hölle! – Schluss mit splendid isolation! Finito mit den feinen Unterschieden! Vernichtend, diese Folter der Vergesellschaftung! – Die Hölle ist keine moralische Anstalt, sondern ein ästhetisches Institut!

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Fronleichnam

Adolf von Menzel: Fronleichnamsprozession in Hofgastein (1880) – Neue Pinakothek, München.

Ich glaube, spannend ist der prickelnde Augenblick, in dem das Allerheiligste über die Kirchenschwelle hinaus in die ungedeutete Welt getragen wird. Vielleicht wäre es angemessen, für diesen Moment die Augen in frommer Skepsis fest zusammenzukneifen und »wenn das bloß mal gut geht« zu denken …

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Labyrinthische Lebenserfahrung

Fingerlabyrinth in Lucca

Im Portico der Kathedrale von Lucca befindet sich ein verzwicktes Fingerlabyrinth. Hochgestemmte Kinder versuchen es zu lösen, bevor ihren Eltern die Arme erlahmen. Eine Inschrift erläutert: »Dies ist das Labyrinth, das Daidalos der Kreter gebaut hat und aus dem niemand herauskommen kann, der einmal darinnen ist. Nur dem Theseus ist dies dank des Fadens der Ariadne gelungen.«

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Lebensmittelkunde

Kirchenfenster – Brot und Wein

Substantiation statt Transsubstantiation? – Robert Spaemanns Kritik der »Wandlung« bezweifelt den »Produktcharakter« der eucharistischen Gestalten. Spaemann verteidigt die »unabgeleitete Wirklichkeit« des Allerheiligsten mit einer überraschenden Argumentation von auf- und anregender Radikalität.

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Diskrete Epiklese

Während der Epiklese (Herabrufung des Heiligen Geistes im Hochgebet) hält der Zelebrant die Hände weit von sich gestreckt über Brot und Wein. Dies ist keine gespreizte Geste feierlicher Manieriertheit. Wenn sich der Geist auf die eucharistischen Gaben herabsenkt, mag er nicht im Wege stehen und wahrt diskreten Abstand zum eigentlichen Geschehen. Er will sich keine individuelle oder gar persönliche Mitwirkung nachsagen lassen. Seine Sorge gilt dem Schutz vor nominalistischer Kontamination des Realen.◄

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Englische Gärten

Lilith Eve: Herbst im Park

Von romantisierten britischen Snobs inszenierter Weltflucht-Fernweh-nur-weg-von-dieser-Händlerinsel-Eskapismus, oder von Englischen Mächten inspirierter Katechismus? – Illusion Arkadiens, oder Allusion des Paradieses? – Herrschaftlicher Selbstbetrug, oder himmlischer Hyperlink?◄

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